HIT, NMU und ich

Hier also ein paar Sätze zu mir und vor allem meinen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (NMU).

Wie alles anfing

Wahrgenommen, dass etwas so richtig nicht stimmt, habe ich etwa im August 2012. Ich hatte meinen Job gewechselt und mich dabei um mindestens 400% verbessert. Im neuen Job stimmt alles, der ganze negative Stress, den ich zuvor wegen des Pendelns und des Arbeitsumfelds hatte war weg! Daher ging es mir eigentlich zum ersten Mal seit langem wieder gut. Ich habe wieder besser geschlafen, war mit der Welt einfach zufrieden.

Nach einigen Wochen habe ich gemerkt, dass ich das Kantinenessen nicht vertrage – das hat mich nicht weiter gewundert, weil ich schon immer ein Problem mit Glutamat hatte. Allerdings hab ich viel heftiger, als sonst reagiert und war direkt für ein paar Tage richtig durch den Wind. Erst Durchfall, dann Herzklopfen und ein allgemeines Schwächegefühl. Nachdem das zwei, drei Mal passiert war, habe ich das Kantinenessen gestrichen und mir mein Essen selbst mitgebracht.

Damit war das Problem leider nicht behoben. Die „Ausfälle“ passierten weiterhin. Als erstes bin ich drauf gekommen, dass ich offenbar mit Zucker ein Problem habe. Ich habe auf Süßes immer öfter mit Durchfall und Grummeln im Bauch reagiert. Also habe ich den Zucker weggelassen und mich mit der Frage beschäftigt, ob ich vielleicht eine Candidabesiedlung im Darm habe. Bislang waren zwei Stuhlproben negativ; das heißt zwar nicht, dass kein Candida da ist, aber ich denke unterdessen, dass meine Probleme nicht von diesem „Biest“ herrühren.

Derweil ließen meine Probleme trotz Zuckerverzicht nicht nach, sondern wurden schlimmer. Ständig hatte ich Halsschmerzen. „Reflux“ diagnostizierte eine HNO-Ärztin und verschrieb mir munter Pantoprazol. Nachdem ich darauf nach einigen Wochen eine schöne Palette Nebenwirkungen entwickelt hatte (alles im Magen-Darm-Bereich), stieg ich auf Omeprazol um. Auch hierunter besserten sich meine Magen-Darm-Beschwerden nicht, sodass ich es nach einigen Wochen absetzte.

Eine Fructoseintoleranz (bzw. -malabsorption) wurde derweil über Atemtest ausgeschlossen. Ich konnte bestimmte Gemüse nicht mehr vertragen (u.a. alle Kürbisgewächse, inkl. Zucchini). Danach fielen dann die Kuhmilchprodukte raus, vermutlich aufgrund einer Unverträglichkeit gegenüber dem Molkeneiweiß. Wein, Nüsse, Sauerkraut, Essig und Senf: Herzrasen, Durchfall, Erschöpfung. Ich hatte weiterhin ständig Halsschmerzen und fühlte mich krank.

Im Dezember 2012 schien es, als hätte mein Körper sich irgendwie „eingependelt“ und auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Ich hatte viele „Übeltäter“ identifiziert, mein Gewicht war halbwegs stabil. Aber Pustekuchen. Im Januar ging die Abwärtsspirale weiter.

A long way til rock bottom

Anfang Januar hatte ich zunächst eine Erkältung, die ein paar Tage blieb. Dazu plagten mich massive Ohrenschmerzen links, wo mein Gehörgang etwas ungewöhnlich geformt ist. Die vom HNO verschriebenen Tropfen brachten kaum Linderung. Ein, zwei Tage, nachdem die Erkältung abgeklungen war bekam ich plötzlich an einem Sonntag wieder massive Halsschmerzen, heftiges Herzklopfen bei der kleinsten Anstrengung. Wieder ein Infekt? Ich lag eine Woche lang flach. Zur Abwechslung mal ohne Halsschmerzen, aber ich fühlte mich so schwach, dass ich kaum aus dem Bett kam. Weiterhin hatte ich Ohrenschmerzen, die kamen und gingen – einen Tag hatte ich sie, dann wieder nicht.

In der dritten Januarwoche geschah dann der Supergau in Form einer vegetarischen Bolognese mit Tomatenpüree, Sojaschnetzeln, roten Linsen, Parmesan, Oliven und ein Glas Rotwein gab es auch dabei. Ich reagierte sofort mit heftigstem Durchfall, danach Herzrasen und massive Erschöpfung. Wieder war ich für Tage einfach „ausgeschaltet“.

Über ein Internetforum für Rennradfahrer kam ich schließlich auf das Thema Histaminintoleranz. Ich las mich weiter ein, vor allem bei Libase und histaminintoleranz.ch. Mir war relativ schnell klar, dass eins meiner Probleme „Histamin“ heißt und ich habe Karneval 2013 eine Auslassdiät begonnen. Doch auch damit besserten sich die Beschwerden kaum. Ich strich meinen Speiseplan weiter zusammen, bis er aus Kartoffeln, Reis, Ziegenjoghurt, Möhren und Blumenkohl bestand (Reis und Möhren vertrage ich übrigens nicht – oder nicht mehr).

Doch auch damit hörten die Beschwerden nicht auf, auch wenn sich mein Gewicht endlich etwas stabilisierte. Die körperlichen Einschränkungen nahmen zu. Ich hatte unterdessen täglich bis wöchentlich eine solche Menge Symptome, dass ich einfach nicht mehr weiter wusste.

Fast forward

In den Monaten seit meiner Auslassdiät und der Erkenntnis, dass ich unter einer Histaminintoleranz leide, habe ich viel über mich und meinen Körper gelernt. Ehrlich gesagt wollte ich nie so viel darüber wissen. Was so passierte, was ich rausgefgunden habe:

  • Ich habe eine Allgemeinärztin und einen Heilpraktiker verschlissen.
  • Ich habe eine Bioresonanz-Therapie absolviert und wurde dort mit den Worten verabschiedet „Es kann nicht sein, dass sie diese Lebensmittel immer noch nicht vertragen, das muss an Ihrer Psyche liegen“.
  • Ich weiß, dass ich unter eine HPU leide.
  • Ich habe eine Schilddrüsenunterfunktion, die letzte Woche diagnostiziert wurde. Eine Hashimoto Thyreoditis konnte nicht ganz eindeutig ausgeschlossen werden (Schilddrüse im Ultraschall nicht homogen). Therapie mit Thyroxin 50 beginne ich demnächst.
  • Ich vermute, dass ich unter einer Nebennierenschwäche (adrenal fatigue) leide.
  • Ich vermute, dass ich ein leaky gut habe.
  • Ich habe meiner Hausärztin („Nahrungsmittelunverträglichkeiten haben keine Ursache und lassen sich nicht heilen. Sie müssen einfach das weglassen, was Sie nicht vertragen“) eine zweite Chance gegeben.
  • Eine neue Heilpraktikerin und einen Homöopathen gefunden.
  • Magen- und Darmspiegelung inkl. Dünndarmbiopsie ohne Befund.
  • Ein wesentlicher Teil meiner Welt ist untergegangen, als ich mein Rennrad aufgrund der ständigen Erschöpfung in die Ecke stellen musste.

Seit ein, zwei Wochen merke ich, dass sich unter der Diät (s.u.), die ich halte, meine Verdauung etwas beruhigt hat. Die anderen Symptome sind aber nach wie vor am Start und insbesondere die Erschöpfung macht mir sehr zu schaffen.

Was ich esse

Dies ist die „Positivliste“ der Lebensmittel, die ich meine einigermaßen zu vertragen. Sie hängen mir ziemlich zum Hals raus – etwas anderes esse ich kaum. Falls doch, bekomme ich meistens recht schnell die Quittung.

Obst/Gemüse: grüne Kohlsorten (außer Wirsing), Süßkartoffel, Blumenkohl, Spargel (grün, weiß), Porree, Paprika (grün), Kartoffeln, Fenchel, Apfel, wenig Limettensaft, wenig Heidelbeeren.

Getreide etc.: Dinkelbrot mit Backferment (Bio-Bäckerei), helles Dinkelmehl, Kamutnudeln, Dinkelnudeln, Hirse, Quinoa, Haferflocken, Weizen in Maßen.

Milch, Ei: Ziegenbutter, Ziegenjoghurt, Eigelb

Fisch: Pangasius TK, Bio-Fischstäbchen

Öl: Olivenöl, Rapsöl

Gewürze/Kräuter: Salz, frische Kräuter (Basilikum, Koriander), wenig Pfeffer, Kreuzkümmel

Getränke: Wasser ohne Kohlensäure, weißer Tee, wenig koffeinfreier Espresso

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9 Kommentare zu “HIT, NMU und ich

  1. Hallo,hab ich das richtig verstanden Histamin ist nicht ärztlich festgestellt? Du bist sicher Apfel und Kartoffeln zu vertragen ? Bei Deinen ganzen Baustellen würd ich Dir zu einem Aufenthalt in der Klinik Kloster Grafschaft in Schmallen- berg raten,glaub mir die bringen Licht in das Dunkle.
    Ich hab mich einfach von meinem Hausarzt einweisen lassen.
    l.G. azzurro

    • Hey, also, ich hab einen erniedrigten DAO-Wert, aber mal abgesehen davon sind meine Reaktionen in Sachen Histamin eindeutig. Kartoffeln und Äpfel vertrage ich, wobei ich beides seit Wochen nicht mehr gegessen habe. Schmallenberg habe ich auf dem Schirm, geht aber frühestens im November. Allerdings sind meine ganzen Magen-Darm-Probleme so viel besser geworden über die letzten Monate, dass ich gerade das Gefühl habe, Lebensmittel sind nicht mein vordringlichstes Problem. Ich weiß, dass das täuschen kann, aber ich hab den Eindruck, dass sich das sehr verlagert hat und ich gerade mit etwas anderem kämpfe (ohne genau sagen zu können, womit)
      LG hitoverheels

      • ja, nach Deinen Beschreibungen kommt mir das auch so vor .
        Aber in Schmallenberg wird auch vieles andere getestet,bei mir z.B.
        Routine Labor,Stuhl Untersuchung,Ruhe- EKG HLO Test,Duedenal Biopsie,Duodenal Biopsie,( Sprue)
        standard i.c.,Skratch-Testungen,(Mehle,Ei, Kuhmilch,Soja, Sellerie),orale placebokontrollierte Provokation mit Histamin,Soja
        sowie ein Intracutan-Test mit Pollen,Hausstaub-Vorratsmilben,
        Gräser,Schimmelpilze,Hunde,Katze,Pferd, in 11 Tagen
        …und ich sollte noch einmal wiederkommen 😦

      • Wow, eine ganze Menge. Wie gesagt, wenn es mir bis zum November nicht deutlich besser geht, mache ich das. Vorher kann ich wegen der Arbeit auf keinen Fall. Ich habe meiner Hausärztin schon gesagt, dass ich – bevor ich in Kur gehe – auf jeden Fall erst nach Schmallenberg gehe. LG

      • Das ist alles so individuell, man kann auch mit Kartoffeln ein Problem haben. Bei einer Fructoseintoleranz z.B. können sie problematisch sein.
        Ich hab in der schlimmsten Phase wirklich auf alles reagiert, was ich gegessen habe – das lag aber wahrscheinlich eher daran, dass der Körper beim ganz normalen Verdauungsprozess auch Histamin ausschüttet.

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