Ein Update (Teil 2)

Und weiter im Text. Mein allerquälendstes Symptom war ja meine Erschöpfung. Um die Spannung nicht künstlich hochzuhalten soviel vorab: sie hat sich deutlich gebessert, auch wenn ich noch weit davon entfernt bin vor Kraft und Energie zu strotzen. Spoiler 2: die Psyche spielt eine riesige Rolle, auch wenn ich das nicht für möglich gehalten habe. Die Erklärung, was passiert ist, ist nicht ganz so einfach und geradlinig, aber ich versuche es mal.

Ich fange mal an mit der Psychotherapie, die ich vor etwa einem Jahr begonnen habe. Es ging eigentlich darum, mit der Erschöpfung besser klar zu kommen. Aber wir (also mein Thera und ich) sind die ganze Zeit eigentlich immer nur auf extreme Blockaden gestoßen. Irgendetwas hat mich davon abgehalten mir zuzugestehen, dass ich eine Pause brauche. Ich bin immer weiter gegen die Wand gerannt (weil ich mit dem Kopf durchwollte) und ein Teil von mir hat mir dabei zugesehen, wie ich auf den Abgrund zugesteuert bin. Ich hab verstanden, dass ich mir mit meinem Verhalten (nicht kürzer treten, immer weiter machen) nachhaltig schade, aber ich konnte es nicht abstellen. Dabei habe ich die ganze Zeit mit einer unglaublichen Verzweiflung und einem unendlichen Hass auf ich selbst und meinen Körper gekämpft. Es gab viele Momente, wo ich dachte, ich verliere diesen Kampf.

Weil ich in der Psychotherapie nicht wirklich weiterkam habe ich mich im Frühjahr entschieden, wegen der Erschöpfung noch mal einen Versuch mit einer alternativen Heilmethode zu unternehmen. Ich hatte schon eine ganze Weile eine Empfehlung für eine Ärztin, die einer entfernten Bekannten sehr geholfen hatte. Ganz gemäß meinem Motto „nichts zu verlieren“ bin ich hingegangen, ohne zu wissen, was mich erwartet.

Meine „Krankenakte“ konnte ich direkt mal wieder einpacken, als ich bei der Ärztin war. Die ganzen Befunde spielten letztlich keine Rolle. Stattdessen fing sie an, mir viele Fragen über meine Kindheit und mein bisheriges Leben zu stellen – über Gefühle, Ängste, Verletzungen, etc. Blut wurde ebenfalls abgenommen für eine Cluster-Analyse (http://de.wikipedia.org/wiki/Clustermedizin). Ich habe bis heute nicht viel darüber gelesen, da meine Einstellung war: ich probiere es unvoreingenommen aus und lasse mich 100% drauf ein. Letztlich ging (und geht) es in der Therapie darum, unterstützt durch Übungen des „Somatic Experiencing“ (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Somatic_Experiencing), die Verarbeitung bislang nicht verarbeiteter traumatischer Ereignisse anzustoßen. Ich kann nicht sagen wie und warum es funktioniert, aber ich bin sicher, dass es bei mir funktioniert hat – mit jedem Behandlungsschritt habe ich ein bisschen Energie wiederbekommen. Der Preis, den ich dafür bezahlt habe ist, dass mit jedem Therapieschritt bei mir sehr schmerzhafte Emotionen, Erinnerungen hochgekommen sind, die ich mein Leben lang verdrängt hatte. Ich habe ganz viel Klarheit gewonnen (und viel Stoff für meine Psychotherapie), aber leider verbunden mit einer großen Unsicherheit, wie es mit mir und meinem Leben weitergeht. Dieses „Kind“, das ich da „geboren“ habe (sorry für die krude Metapher, aber so hat es sich angefühlt) hört auf den Namen Transidentität.

Ihr könnt Euch vorstellen, dass das mein Leben gerade ganz schön durcheinanderwirbelt. Ich bin unglaublich dankbar, endlich Klarheit darüber zu haben, wer ich bin und was mein ganzes Leben lang nicht mit mir gestimmt hat. Und jetzt wo ich das weiß, sehe ich auch die ganzen Puzzleteile, die da schon ganz lange lagen und mir ins Gesicht gelacht haben – nur richtig zusammensetzen konnte ich sie bis heute offenbar nicht. Gegen dieses Wissen habe ich anscheinend ganz lange gekämpft. Und ich glaube auch, dass mein Körper schon etwas länger „wusste“, was los ist.

Ich lehne mich jetzt mal soweit aus dem Fenster zu sagen: ohne die NMU und die Erschöpfung, die mich gezwungen haben, mich mit mir selber zu beschäftigen, wüsste ich heute wahrscheinlich immer noch nicht, was mit mir los ist. Ich würde weiter jeden Tag gegen etwas kämpfen, ohne zu wissen wogegen. Ich würde jeden Tag in den Spiegel sehen und über das verzweifeln, was ich da sehe, ohne zu wissen warum. Dieses Wissen macht mein Leben (und das meines Mannes) komplizierter. Aber ich habe endlich wieder eine Perspektive.

So, und dabei belasse ich es jetzt erst einmal :).

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Ein Update (Teil 1)

Ja, es gibt mich noch! Ich dachte mir, es ist mal Zeit für ein Lebenszeichen. Viel ist passiert und ich versuche mal die wichtigsten Sachen zusammenzufassen.

Zuerst, da ja irgendwie schon zentrales Thema dieses Blogs: Was macht das essen?

Der Trend, der sich ja schon eine Weile abzeichnete hat sich fortgesetzt. Ich esse sicherlich immer noch nicht „normal“ (was auch immer das ist) und habe ein paar Einschränkungen, aber ich kann eigentlich fast alles wieder essen. Nicht in beliebiger Menge, aber immerhin ;). Meine Histaminintoleranz hat sich soweit gebessert, dass ich sagen würde, ich habe keine HI mehr, obwohl ich definitiv noch sensitiv auf Histamin reagiere. Meine Toleranzschwelle ist so hoch, dass ich nur ganz wenige Dinge aussparen muss.

Ich esse mittlerweile jeden Tag Hülsenfrüchte. Beim Obst und Gemüse habe ich nur ganz wenige Einschränkungen. Bei Spinat und Avocado muss ich z.B. aufpassen, Ananas und ich sind auch nicht so richtig gute Freunde. Ich kann auch mal gebeizten oder geräucherten Lachs essen (mache ich etwa 1x Woche). Das merke ich dann zwar (nach dem Duschen z.B. die altbekannten roten Flecken auf der Haut), aber wenn ich es nicht übertreibe, dann geht das alles.

Was nicht geht ist Fertigfraß. Den brauche ich natürlich nicht, aber ich bekomme Probleme, wenn in Restaurants mit convenience food gearbeitet wird. Auswärts essen ist also nach wie vor eine Herausforderung. Auch, weil ich nach wie vor kein Fleisch und kein Gluten esse sowie keine Milchprodukte und Eier. Ich bin mir nicht sicher, ob ich letztere nicht eigentlich vertragen würde, aber ich komme ohne so gut klar – da sollen die Kühe und Hühner nicht für mich leiden.
Vorsichtig bin ich auch bei Sojaprodukten. Mal eine Soja Latte oder etwas Räuchertofu und Miso gehen, Sojasauce eher nicht. Aber auch damit komme ich im Alltag gut klar.

Wenn ich so zurückschaue denke ich, dass die folgenden Maßnahmen mich weitergebracht haben (ist aber natürlich letztlich Spekulation):

  • Quercetin (hierzu gibt es bei Yasmina von http://thelowhistaminechef.com viele Infos – überhaupt bin ich von Ihrer Herangehensweise an das Thema Histaminintoleranz und Mastzellenstabilisierung sehr überzeugt). Ich nehme nach wie vor 1000mg täglich.
  • Glutamin habe ich über ca. 3 Monate richtig hoch dosiert genommen – in der ganz heißen Phase ca. 20-25g. Ja, am Tag. Ich hab es nur verkapselt vertragen und musste langsam steigern.
  • Probiotik: Parallel zum Glutamin habe ich Probiotik genommen – und zwar ein Präparat mit Stämmen, die histaminsenkend sind und ein „normales“, bei dem auch einige histaminproduzierende Stämme dabei sind. Auch zu diesem Thema kann man bei Yasmina Informationen finden.

Das Glutamin habe ich dann irgendwann langsam ausgeschlichen über ein paar Wochen.

Mittlerweile nehme ich noch die folgenden NEM:
Quercetin (1000mg)
Vitamin C (1000mg)
Magnesium (500mg)
B12 komplex
Zink 30 mg (bei der Dosierung hatte ich Anfang des Jahres trotzdem noch einen ordentlichen Zinkmangel, sodass ich eine Weile noch mehr genommen habe – lasse ich bald aber noch mal überprüfen. Ohne einen nachgewiesenen Mangel bitte nicht so viel nehmen!).

Meine Symptome:
Symptomfrei bin ich nicht (aber wer ist das schon) – aber es hält sich alles in Grenzen. Manchmal etwas Juckreiz, die roten Flecken nach dem Duschen, Nase leicht zu, wenn das Histamin zu hoch ist. Selten mal meine typischen Ohrenschmerzen links oder Luft im Oberbauch (passiert eigentlich nur, wenn ich auswärts mal daneben greife mit dem Essen). Alles nicht mehr täglich!
Das einzige, was nicht so ganz in Ordnung kommt ist meine Haut: ich habe oft Unreinheiten oder entzündete Stellen im Gesicht. Aber auch das hält sich in Grenzen. Ich nutze kaum Kosmetik und wenn, nur komplett ohne Duftstoffe. Hauptsächlich kommt Wasser und mal etwas duftfreie Öko-Seife an meine Haut ;).

Die Erschöpfung:. Dazu mehr in Teil 2 (der wird spannender, versprochen ;)).