Das Frankreich-Experiment geht weiter

Nun hatte ich ein paar Tage Zeit, mich zu akklimatisieren und von der Reise „zu erholen“. Das steht in Anführungszeichen, da ich mich natürlich nicht erholt fühle. Teilweise stehe ich mir da selbst im Weg, das weiß ich schon, denn es macht mich fertig, in so einer tollen Umgebung zu sein und letztlich nur rumsitzen zu können und in die Landschaft zu starren. Das Internet funktioniert immer noch nicht, nur auf dem Handy. Das nervt mich zusätzlich.

Also hatte ich viel Zeit zu lesen und habe mittlerweile ein Buch über LOGI-Ernährung (Low Glycemic and Insulinemic Diet) und eines von Dr. Runow („Wenn Gifte auf die Nerven gehen“) durch. Mit LOGI wollte ich mich ja schon länger mal beschäftigen, weil ich meine Ernährung für viel zu kohlenhydratlastig halte. Das kann laut Burgerstein ein Faktor sein, der Nitrostess begünstigt. Außerdem beobachte ich, dass ich durch die mangelnde Bewegung immer mehr Muskelmasse abbaue und der Körperfettanteil ständig steigt (bei ziemlich konstantem Gewicht). Das trägt zusätzlich dazu bei, das ich mich schlecht fühle. Ich war nie besonders muskulös (wahrscheinlich dank der HPU) und mein Körperfettanteil lag trotz des vielen Sports relativ hoch (immer um die 22-24%), aber jetzt kann ich praktisch dabei zusehen, wie ich schwabbeliger werde.

LOGI empfiehlt eine Kost, die den Verzehr stark stärkehaltige Gemüse sowie von Getreide einschränkt und stattdessen den Eiweißanteil in der Ernährung zu erhöhen versucht. Gemüse und Obst sind fast uneingeschränkt „erlaubt“, da neben dem glykämischen Index (ein Maß dafür, wie stark und schnell der Blutzucker durch das Lebensmittel zum Ansteigen gebracht wird und damit dafür, wieviel Insulin der Körper ausschütten muss, um die Kohlenhydrate abzubauen und zu speichern) auch die glykämische Last mit ins Kalkül gezogen wird. Bei der glykämischen Last geht es letztlich darum, wieviele Kohlenhydrate man beim Verzehr einer normalen Portion eines Lebensmittels tatsächlich zu sich nimmt. So hat Kürbis zwar einen hohen glykämischen Index, aber wenn man in einer Mahlzeit eine nicht zu große Portion davon isst, steigt der Blutzucker dennoch nicht zu stark an. Gleichzeitig empfiehlt LOGI – anders als die GLYX-Diät – aber, auch Vollkornprodukte nur in Maßen zu essen, da die glykämische Last hier trotzdem recht hoch ist, denn es werden über längere Zeit relativ viele Kohlenhydrate zur Verfügung gestellt. D.h. zwar, dass der Blutzucker nicht schnell ansteigt und wieder abfällt; die Bauchspeicheldrüse muss aber dennoch eine größere Menge Insulin produzieren (halt über einen längeren Zeitraum) und wird somit stärker in Anspruch genommen.

Die Ernährung soll nach diesem Konzept stärker proteinbetont sein, d.h. es werden viel Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse empfohlen. Da besteht für mich schon die erste Schwierigkeit: ich esse kein Fleisch und bin durch die HI auch bei Nüssen und Hülsenfrüchten eingeschränkt. Mich stört an dem Buch außerdem, dass Fleischkonsum und ein hoher Konsum von Milchprodukten dort – wie ich finde – teils eher unreflektiert propagiert wird (und ich meine hier aus ethischer wie gesundheitlicher Sicht). So wird zum Beispiel gesagt, Milchprodukte seien eine gute Kalziumquelle – das stimmt aber nur eingeschränkt (wenn man mal „Milchlüge“ oder „Milch Kalzium“ googelt, findet man da einiges an Hinweisen zu). So wird z.B. hier erläutert, dass der Abbau tierischen Eiweißes ein Kalziumräuber ist. Nun muss man der LOGI-Ernährung zugute halten, dass sie auch einen üppigen Gemüsekonsum propagiert – da Gemüse basisch wirken, kann die säuernde und damit kalziumraubende Wirkung der tierischen Eiweiße abgepuffert werden.

Ich versuche mich nun jedenfalls mal an LOGI. Das sieht bei mir im Moment etwa so aus (ich teste es aber auch erst ein paar Tage): Zum Frühstück gibt es Obst und Mozzarella. Ich habe nun meist Nektarinen oder Beeren genommen und den Mozzarella mit Olivenöl beträufelt (OK…begossen ;)). Ich habe durch das Obst keine zusätzlichen Müdigkeitsattacken bemerkt – es scheint mir ganz gut zu bekommen. Ich wollte mich auch mal an ganze Eier ranwagen, aber wegen der HI ziere ich mich da noch.
Da ich mich auch an Nüsse nicht so recht rantraue, bin ich auf Pinienkerne und Mandeln ausgewichen (in Maßen). Da bin ich mir noch nicht so ganz sicher, ob ich sie wirklich vertrage, aber es gab keine heftigen Sofortreaktionen. Ansonsten gab es jetzt hauptsächlich Gemüse und einmal pro Tag Fisch dazu. Da ich keine Tomatensauce essen kann, bin ich nun auf Créme fraîche ausgewichen (die hat hier im Gegensatz zur Sahne keine Zusatzstoffe). Ich nehme nur wenig davon, da diese soweit ich weiß fermentiert ist, aber irgendeine Sauce brauche ich – sonst bekomme ich den Fisch nicht runter. Natürlich sind auch mal Nudeln oder Reis in Ordnung, aber generell fehlt mir das bislang nicht sehr und ich habe auch kein starkes Hungergefühl.
Gleichzeitig habe ich nun allerdings die Ernährungsregeln der Impulstherapie etwas gelockert, auch wenn ich weiterhin versuche, mich weitgehend dran zu halten. Hauptsächlich bezieht es sich darauf, dass ich auch mal die Mandeln oder Pinienkerne zu meinem normalen Essen genommen habe (die sind nach der Impuls-Ernährungstheorie glaube ich eigentlich Lebensmittel, die man nicht mit anderen Mischen soll) und bei dem einen Espresso, den ich mir pro Tag genehmige habe ich nicht auf den 2-Stundenabstand zu den Mahlzeiten geachtet, da ich meist nach dem Espresso (meist 1 Stück brauner Zucker und Milch) doch schneller wieder Hunger bekomme. Der Zucker ist natürlich nicht ganz LOGI-konform, aber der Autor betont auch, dass man in Maßen natürlich Ausnahmen machen kann. Und es geht mir ja nicht ums Abnehmen.

Ich bin überrascht, dass ich die Milchprodukte insgesamt recht gut zu vertragen scheine. Auch die Milch im Kaffee macht deutlich weniger Luft im Bauch (fast gar keine). Ich werde aber in Hamburg trotzdem auf jeden Fall die Milch testen lassen ich denke, da könnte es durchaus noch Optimierungspotenzial geben.

Das Buch von Runow fand ich auch ganz interessant. Wenn man es liest, läuft es natürlich darauf hinaus, dass man bei seinem Institut die Tests machen sollte (natürlich schreibt er das nicht so, aber ich glaube nicht, dass die Tests, die er empfiehlt woanders in Deutschland machen kann). Ich ziehe das in Erwägung, aber das ist natürlich finanziell mal wieder ein ganz schöner Batzen. Andererseits glaube ich, dass bei mir der (zudem noch mit nicht unbedingt zuverlässigen Bluttests festgestellte) B12- und Q10-Mangel im Zweifel nur die Spitze des Eisbergs ist und dass da wahrscheinlich noch mehr aus dem Gleichgewicht ist. Das ist ja das tückische an den Mikronährstoffen. Wie bei den Hormonen muss alles in einem Gleichgewicht sein – an einer Schraube zu drehen, ohne die andere (also z.B. den Gegenspieler) im Blick zu haben, kann den Körper in ein neues Ungleichgewicht stürzen.

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2 Kommentare zu “Das Frankreich-Experiment geht weiter

  1. Hallo,
    erstmal wünsche ich dir einen schönen Abschalturlaub! Du machst dir wirklich viele Gedanken und ich denke, du wirst den richtigen Weg schon finden. „Dumm und krank“ wäre auch viel schlimmer, weil die Selbsthilfe auf der Strecke bliebe :).
    Schöne Grüße!
    Wortliebe

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