Bestandsaufnahme

Es ist ein verregneter Sonntag und ich dachte, ich mache mal eine Bestandsaufnahme und überlege, wie es weitergehen soll.

Der Punkt, an dem es mir es mir dieses Jahr mit am schlechtesten ging war der Januar, als ich noch nichts von meiner Histaminintoleranz wußte und mich mit histaminhaltigem Essen mehrfach so richtig „abgeschossen“ habe. Heute geht es mir auch schlecht, aber ganz anders.

Seit ich um Karneval herum mit der histaminarmen Ernährung begonnen habe, haben sich im Magen-Darm-Bereich viele meiner Symptome, die ich hier im Blog aufgeführt habe, deutlich gebessert. Das war ein Prozess, der sich über 4-5 Monate hingezogen hat, ist also nicht von jetzt auf gleich passiert. So sieht meine Beschwerdeliste im Moment aus. Die durchgestrichenen Symptome habe ich auch noch, aber wirklich nur noch selten – mehrmals im Monat vielleicht. Vorher täglich oder mehrmals wöchentlich:

  • Magen-Darm: Blähungen, breiiger Stuhl, unverdaute Essensreste im Stuhl, laute Darmgeräusche, Durchfall, Übelkeit, paradoxer Stuhl, Luft im Oberbauch, Krämpfe Unterleib/Darm (zyklusbedingt).
  • Herz-Kreislauf: Herzklopfen, erhöhter Puls (insb. unter Belastung), Engegefühl in der Brust, Schwindel, Herzstolpern, Kopfschmerzen (v.a. zyklusbedingt).
  • Hals, Nase, Ohren: Halsschmerzen, Ohrenschmerzen links, Reizhusten, geschwollene Nasenschleimhäute, verschleimter Hals, Fließschnupfen.
  • Haut: Juckreiz, rote Flecken (v.a. nach dem Duschen), Ausschlag (v.a. Leisten, Rücken), wunde Stellen im Mund, belegte Zunge.
  • Gefäße: starkes Frieren, blaue Fingernägel, geschwollene Finger, Raynaud’sches Syndrom, Flush, geschwollene Augen (morgens).
  • Sonstiges: Engegefühl im Hals, Schluckbeschwerden, Nachtschweiß, Unruhiger/nicht erholsamer Schlaf, Abgeschlagenheit, massive Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, brennende Augen, plötzliche bleierne Müdigkeit, PMS, Empfindlichkeit gegenüber Düften, Parfümstoffen, starke Regelbeschwerden.

Die zyklusbedingten Beschwerden sind abgeschwächt, weil ich unterdessen keine „Pillenpause“ mehr mache.

Die Veträglichkeit von Lebensmitteln ist wieder gestiegen – teilweise konnte ich das schon vor der Impuls-Therapie beobachten, aber insbesondere die Verträglichkeit von Obst und Zucker ist erst seit den entsprechenden Desensibilisierungen wieder gegeben. Gleichzeitig habe ich den Eindruck seit den Desensibilisierungen Kuhmilchprodukte wieder besser zu vertragen.

Neben dem Obst konnte ich auch einige Gemüsesorten wieder in meinen Speiseplan aufnehmen, die ich zuvor schon sehr lange gemieden hatte – insbesondere Zwiebeln, Zucchini und Kürbis. Auch bei den Gewürzen bin ich wieder mutiger geworden. Ob das jetzt ein Erfolg der Impuls-Therapie oder der langen Karenz ist, vermag ich nicht zu beurteilen – ist mir aber auch egal. Letztlich habe ich durch die Erfolge beim Obst den Mut gefunden, diese Sachen auch mal wieder zu testen. Ich traue mich ab und zu sogar ein paar Oliven (ohne Essig, nur mit Kräutern) aus dem Bioladen und auch mal ein Sojawürstchen zu essen. Soja ist wegen der Histaminintoleranz nicht günstig und ich merke am nächsten Tag, wenn ich zuviel hatte, aber ab und zu ist sogar das unterdessen drin.

Was ich in der nächsten Zeit testen möchte sind vor allem Mandeln (habe ich gestern das erste Mal gegessen und vertragen) und Kichererbsen – laut dem Interview mit Dr. Joneja auf http://thelowhistaminechef.com können diese durchaus verträglich sein, während rote Hülsenfrüchte eher unverträglich sind.

Man sieht, das meine Ernährung doch wieder um einiges abwechslungsreicher geworden ist und insgesamt sind Magen und Darm recht ruhig. Das sind die Erfolge.

Was schlimmer wurde

Leider – man sieht es auch an den verbliebenen Symptomen – haben sich meine Probleme in einen Bereich verlagert, unter dem ich letztlich gerade mehr leide, als unter den Einschränkungen beim Essen. Ich hab ja in den letzten Posts schon genug darüber geschrieben und gejammert – es geht um die extreme Erschöpfung, unter der ich leide. Wenn ich so zurückdenke, ist diese seit Mai ständig schlimmer geworden.

Anfang Mai waren wir noch auf einer mehrtägigen organisierten Rennradtour. Ich habe eigentlich die ganzen Monate davor dafür gekämpft, dort mitfahren zu können. Ich habe dabei die Grenzen, die mir mein Körper gesetzt hat glaube ich ziemlich vehement überschritten und die Warnsignale, die er mir gegeben hat ignoriert oder mit Antihistaminika überdeckt. Seitdem diese Tour vorbei ist geht es mir eigentlich ständig schlechter. Ich musste nach und nach alle sportlichen Aktivitäten einstellen. Zunächst das Rennradfahren, dann das Schwimmen, das ich als Ausgleich begonnen hatte. Ein Versuch mit leichtem Muskeltraining im Fitnessstudio ist grandios gescheitert. Mein Körper reagiert auf die geringste Beanspruchung mit tagelangen Erschöpfungszuständen. Ich weiß oft nicht, wie ich morgens aus dem Bett und durch den Tag kommen soll. Gleichzeitig leide ich so darunter, nicht aktiv sein zu können. Vom Kopf her will ich (und zwar am besten direkt durch die Wand), aber der Körper schreit einfach nur „Nein“ (naja…er pfeift eher auf dem letzten Loch und röchelt ein heiseres „Bitte nicht“).

Wo vorher meine Einschränkungen beim Essen mein Leben bestimmt haben, ist es jetzt die Erschöpfung. Alles richtet sich danach und ich hab das Gefühl, dass mein Leben gerade völlig kaputt ist. Es ist fast nichts mehr von dem übrig, was ich früher genossen habe.

Wie geht es weiter?

Es gibt noch ein paar Optionen, die ich bis jetzt noch nicht verfolgt habe. Anderes habe ich angefangen und werde es weiter verfolgen. Dazu gehören:

  • die Homöopathie. Auch wenn es wirklich schwierig zu sein scheint, „mein“ Mittel zu finden, habe ich diese Option noch nicht aufgegeben. Der Homöopath auch nicht, zum Glück.
  • die Impuls-Therapie. Auch wenn sich die Erschöpfung nach der Weizendesensibilisierung nicht, wie erhofft und von Frau Dr. W. in Aussicht gestellt, gebessert hat, möchte ich wegen der Erfolge beim Obst auf jeden Fall noch einen Anlauf wagen – ich würde gerne Milch und eventuell den Eiweissbaustein, der dort getestet wird, in Angriff nehmen.

Was sonst noch?

  • Endokrinologie – Termin im November.
  • Etwas schwieriger und aufwändiger wird das Thema Büro-Chemie am Arbeitsplatz. Meine Probleme haben damit so richtig begonnen, dass ich meinen Arbeitsplatz gewechselt habe. Eine Möglichkeit ist, dass an meinem Arbeitsplatz etwas ausdünstet, das mich belastet. Es gibt mindestens eine Kollegin, die ebenfalls Probleme hat (ich vermute MCS) und zu Hause arbeitet. Es ist allerdings schwierig, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Sie ist telefonisch nicht erreichbar und auf meine E-Mail hat sie nicht geantwortet. Von einer Nutzerin bei Libase habe ich hilfreiche Hinweise zu dem Thema bekommen. Ich muss nur meine Kraft zusammennehmen und endlich etwas in die Wege leiten (z.B. eine Blutuntersuchung). Es wäre so viel einfacher, wenn ich kompetente ärztliche Unterstützung hätte.
    Von einer anderen Kollegin habe ich jedenfalls gehört, dass es Probleme mit dem Teppich gab/gibt, der sehr gestunken hat, als er verlegt wurde. Die Büros riechen immer noch – fast ein Jahr später – ziemlich unangenehm, wenn sie nicht gelüftet sind. Nicht unbedingt nach Chemie oder Lösungsmitteln, sondern muffig – aber ein gutes Raumklima herrscht auf jeden Fall nicht.
  • Ebenfalls nicht ganz einfach ist das Thema Borreliose. Eine Bekannte (die selbst Leistungssportlerin war) hat mir einen Arzt empfohlen, der auf Borreliose spezialisiert ist. Leider habe ich im Internet gesehen, dass die Praxis offenbar keine Borreliose-Patienten mehr aufnimmt. Ich habe mich nicht getraut, anzurufen, aus Angst, abgewimmelt zu werden. Ich fühle mich da immer so unendlich hilflos und so eine Absage zieht mich momentan immer so runter, dass ich erst mal wieder nur heule. Ich habe dem Arzt nun direkt eine E-Mail geschrieben, aber noch keine Antwort erhalten.
  • Spezialklinik. Im Sauerland gibt es eine Klinik, die sich auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien spezialisiert hat. Wenn es mir bis November nicht deutlich besser geht, werde ich versuchen, mich dort von meiner Hausärztin einweisen zu lassen. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten gerade nicht mein größtes Problem sind, kann es schon sein, dass meine Erschöpfung von einer unerkannten Unverträglichkeit kommt.

Man sieht, dass ich sicher noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Aber es geht alles so quälend langsam und kostet so viel Kraft, das alles alleine anzugehen und zu organisieren. Und gerade Kraft ist das, was mir gerade so fehlt.

 

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